Sozialpädagogische Arbeit


Sozialpädagogische Förderung in der flexiblen Schuleingangsphase 

1. Grundlegendes 

Um dem Leitgedanken der flexiblen Schuleingangsphase – die soziale Koedukation- gerecht zu werden arbeiten alle beteiligten Lehr- und Fachkräfte kooperativ daran, die schulischen Anforderungen dem aktuellen, individuellen Entwicklungsstand eines jeden Kindes anzugleichen. Sie berücksichtigen die gegebenen Lernvoraussetzungen und „holen das Kind dort ab, wo es steht“. 

Einige Kinder eines jeden Einschulungsjahrgangs benötigen jedoch im Sinne ganzheitlicher, individueller Förderung ein erhöhtes Maß an spezifischen Fördermaßnahmen. Ihr erhöhter Förderbedarf ist zum Teil schon vor der Ein-schulung bekannt (Gespräche mit Kiga-Erz., Einschulungstest, Elterngespräche), zeigt sich jedoch zum Großteil erst im Laufe der ersten Schulwochen oder aber auch erst im Verlauf der Eingangsphase! 

Individuelle Förderung kann im Rahmen von Kleinstgruppen- oder sogar Einzel- förderung verwirklicht werden. 

Förderplanung erfolgt also jeweils für eine kleine Gruppe oder auch für einzelne Kinder und ist aufgrund der individuellen Lernfortschritte einer ständigen Modifikation unterworfen. Dies geschieht im ständigen kollegialen Austausch, zumal die Förderangebote sowohl extern als auch innerhalb des Klassenverbandes stattfinden können. 

Alle Förderinhalte orientieren sich weitgehendst an den Themen, die gerade im Klassenunterricht behandelt werden, also in Anlehnung an die Arbeitspläne der Kollegen der Eingangsstufe. 

In der sozialpädagogischen Förderung orientiert sich die Auseinandersetzung mit den Lerngegenständen an den Prinzipien eines handlungsorientierten Ansatzes (Verbindung von geistigem  und körperlichem Tun). 

         

2. Förderung der Wahrnehmungsfähigkeit

Die Förderung der Wahrnehmungsfähigkeit als Grundlage aller kognitiven Prozesse des Erinnerns, des Lernens und des Denkens hat einen besonders hohen Stellenwert und kommt schwerpunktmäßig in allen Fördergruppen zum Tragen. 


3. Förderung der Kommunikationsfähigkeit  

Die Förderung der Kommunikationsfähigkeit  bedeutet kein isoliertes Sprachtraining sondern ist eingebettet in alle Tätigkeiten und alle Bildungs- und  Förderbereiche; in das Spielen, das Erzählen, das Betrachten von Bilderbüchern, das Hören von Geschichten u.ä. 

Sie ist zu verstehen als Erweiterung und Vertiefung der sprachlichen Kompetenz im handelnden Umgang mit Menschen und Dingen. Zur Unterstützung zentraler Strategien des Spracherwerbs und für den Erwerb der Schriftsprache vollzieht sich Förderung, unter Nutzung des ursprünglichen Mitteilungsbedürfnisses, durch gezielte Übungen in den Grundfertigkeiten des genauen Hörens, des Sehens und der Motorik.

Die Förderung von Kindern mit ausgeprägten Sprach- und Sprechfehlern, die zusätzliche  Unterstützung durch sonderpädagogische Fachkräfte benötigen, wird an dieser Stelle nicht separat beschrieben.

Hier wird ggf. im Elterngespräch der weitere optimale Förderverlauf besprochen und an therapeutische Einrichtungen verwiesen bzw. die Kooperation  mit den Kollegen der Förderschule/Sprache angebahnt.


4. Förderung der motorischen Grundfähigkeiten  

Im Rahmen der Förderung der motorischen Grundfähigkeiten unterstützt ein vielfältiges Angebot an Bewegungs- und Musikerfahrungen mittels abwechslungsreicher Materialien und Spielsituationen den Erwerb von Bewegungsfertigkeiten und somit einer größtmöglichen Bewegungssicherheit.


5. Förderung elementarer mathematischer Fähigkeiten


Die Förderung elementarer mathematischer Fähigkeiten vollzieht sich mittels Zählen, Bauen, Vergleichen, Orientieren, Sortieren je nach individueller Lernausgangslage in folgenden Schwerpunkt-Bereichen:

  • räumlich-visueller Bereich
  • Zuordnungen
  • Mengenerfassung und Mengenkonstanz
  • Farben, Formen, Körper, Mengen
  • Rechts-Links-Orientierung
  • Abstraktion
  • Rechenfunktionen
  • akustische Aufnahme und Deutung der Zahlwörter
  • Zahl- und Ordnungsbegriffe und ihre Zuordnung zu natürlichen Zahlen
  • Symbole und Operationszeichen
  • Gedächtnis
  • logisches Denken


Unterstützend und begleitend werden Konzentrations- u. Ausdauerübungen angeboten


6. Förderung der Fein- und Grafomotorik

Schulanfänger bringen unterschiedliche Voraussetzungen auf  sensorischer und motorischer Ebene mit, um Schriftzeichen aufzufassen und nachzubilden. Da die Hand- u. Fingergeschicklichkeit wesentlich von der Vielfalt und Intensität der  erlebten Wahrnehmungs- und Bewegungserfahrungen abhängt, kann sich grafomotorische Förderung nicht auf Übungen mit Stift und Papier beschränken, sondern erfordert intensive Angebote in diesen Bereichen. Förderung der Feinmotorik geht also immer einher mit einer Förderung von Grobmotorik und Wahrnehmung um die erforderliche sensomotorische Kompetenz zu erlangen, z.B. durch folgende Angebote:

  • alle Möglichkeiten von Überkreuzungen
  • rhythmische Bewegungen (denn Schreiben ist Bewegung!)
  • Fingerspiele
  • Kneten,(Nach-) Legen von Großschwüngen mit Seilchen, Gardinenbleibändern, Plättchen,...
  • Übungen in Sand, Rasierschaum, Kleister,..
  • „Luftmalerei“,“Rückenmalerei“
  • Schreiben mit Zeigestock u. Taschenlampe
  • Nachfahren von Schwüngen mit Finger, Magneten, Spielzeugautos,...
  • Tastübungen
  • rhythmisches  Sprechen zur Schwungübung
  • Schreibablauf durch Sprechen begleiten
  • Spiele mit rollenden und pendelnden Kugeln (Auge-Hand-Koordination)
  • Schwingen mit Körperteilen
  • Schneiden, Malen, Bauen, Stecken, Fädeln, Weben, Prickeln,...

Schreibhandlung ist Schreibbewegung, Raumgestaltung, Formgebung und Sprachbildung zugleich und stellt somit eine sehr komplexe psychomotorische Fertigkeit dar. Voraussetzung für die kleinräumigen Schreibbewegungen sind gute Koordination, hohe Zielgenauigkeit, bewusste Steuerung und Kontrolle von Finger und Hand. Es gilt also primär, die „technischen Schwierigkeiten“ zu beheben, damit sich das Kind während des Schreiblernprozesses auf das Erlernen des Buchstabenschreibens konzentrieren kann.

Wesentliche Aspekte der grafomotorischen Kompetenz sind u. a.:

  • Händigkeit
  • Griff- und Haltetechnik
  • Bewegungsführung
  • Bewegungsrichtung
  • Kraftdosierung
  • Steuerung des Bewegungsimpulses
  • Formkonstanz
  • Geschwindigkeit
  • visuelle Koordination


Die Grundbewegungen der Schrift wie Linien, Kurven, Auf- u. Abbewegungen  in Form von Girlanden, Ovale, Achterschwünge u.a. werden in vielfältigen Variationen angeboten um zu einem generalisierbaren Erfahrungsschatz zu werden. 

So werden sie nicht nur als Arbeitsblatt dargeboten, sondern, vorbereitend auf diese kleinräumige Arbeitseinheit, als großräumige Bewegungsform, getreu den didaktischen Prinzipien:

  • von der freien zur gebundenen Bewegung
  • von der großräumigen zur kleinräumigen Bew.
  • vom anschaulich-einfachen zum abstrakt-komplexen Bild


7. Abschließendes

Oberstes Ziel aller Förder- und Forderangebote ist der Aufbau eines positiven  Selbstkonzepts mit entsprechend motiviertem Lern- und Arbeitsverhalten.

So geht es primär darum,  in jeder Lerngruppe (sowohl im Klassenverband als auch in der Fördergruppe) durch ein anregendes Lernumfeld – bei gleichzeitiger Vermeidung von Reizüberflutung -  und wechselnde Arbeitsweisen, die Eigentätigkeit und Selbständigkeit des Kindes zu unterstützen.

Auf eine Beschreibung der Angebote zur Förderung von „Konzentration“ und „Sozialverhalten“ wurden bewusst verzichtet, da mangelnde Kompetenzen in diesen Bereichen eher als Sekundärerscheinungen zu bewerten sind und ihren Ursprung in einer problematischen Entwicklung in einem oder mehreren der geschilderten Entwicklungs-/ Förderbereiche haben, denen entsprechend zu begegnen ist.